Gedankenkarussell

Selbstgeschriebenes, Selbstgedachtes, Selbstgefühltes in Worte gepresst...

 Inhalt:
Wie ein Tier            (´08)
Bin ich schön?         (`08)
Heute endet die Sonne   (`09)
Nimm mich!          (`09)


 >>>...            (´10)
Once I had a dream... [Kurzgeschichte]   (`11)


Vom Fallen          (`11)

Nur noch einmal schlafen [Kurzgeschichte] (`11)

Viel Spaß und gute Unterhaltung !

XOXO
Mary




 
 Wie ein Tier


Als wir uns küssten, trankst du meine Liebe, wie ein nimmersattes Tier
betrogen und stumm steh ich nun hier
und bin doch auch ein Tier
das schweigend duldet und geduldet wird
Und doch fühle ich
Wie ich noch nie gefühltt habe
und ich leide
gern
denn mein Schmerz zeigt mir,
dass ich bin,
dass mein Fühlen ist,
dass du bist
Und wie ein verängstigtes Tier verkrieche ich mich
hinter Dir
hinter Mir
hinter Uns
weil Wir das stärkste sind, das mir geblieben ist

Und wenn wir uns einmal wieder küssen,
schmecke ich Uns auf deinen Lippen
und wie ein Tier werde ich mir gierig nehmen, wonach ich mich sehnte
in all den einsamen augendurchnässten Stunden







© by Miss Caligari (´08)







Bin ich schön?




Bin ich schön?
Diese Frage stelle ich mir, wie vermutlich jeder andere auch, recht häufig.....
Ich fühle mich wie eine alte Hure, die sich selbst bezahlt, um von der Liebe immer wieder gefickt zu werden...
Und ich wehre mich nicht....während ich an den Schmerzen langsam zugrunde gehe....
Manchmal möchte ich mein Leben wie eine Zigarette anzünden und tief inhalieren....und nur noch Leben atmen....während mein Hirn sich langsam wie Pudding anfühlt...
leben endet ohnehin tödlich.....
Bin ich schön?
Wenn ich dann, vom blauen Dunst eingelullt, in einen Spiegel sehe ,und mich selbst in meinen glasigen Augen, finde ich mich schön...
doch ich bin es nicht....

ich wünschte, Du könntest mich mit meinen Augen sehen....
dann wäre ich schön...benutzt aber strahlend...
ich schenke dir meine Augen und den Rest meines Körpers, um vollkommen zu sein....
und bin weiter die Hure...wenn du nur willst




© Text by Miss Caligari (´08)





Heute endet die Sonne



Heute enden die Sonne und das Licht
hier und jetzt
vor meinen Füßen
und ich bin zu schwach und leer um einen letzten Funken, für dich, aufzuheben
und ich hasse mich dafür
"es ging einfach nicht", werde ich sagen
du wirst nichts sagen, sondern mich schlagen und mich lieben...immer abwechselnd
und dieses gefühl wird das einzige sein, das mich an licht erinnert....
so schön und so hässlich...
so süß und so schmerzlich...
"licht schmeckt wie blut", werde ich sagen
und du wirst mich ansehen, mit deinem wunderschönen blick und wirst nichts sagen
sondern weiter auf mich einschlagen
bis sich mein mund wieder und wieder mit dem wundervollen geschmack des lichtes füllt



© Text by Miss Caligari  ( ´09) / Picture by SE519





Nimm mich !

Und es fraß uns die nukleare Sonne mit ihren gierigen Zungen
Brannte Löcher in den Körper, wo sonst Gefühle saßen....ich scheiß drauf
Mein Hirn verstrahlt und bis zum Rand mit ekelig-wohligem Schwachsinn gefüllt
Und ich stehe im Auge des Sturms und halte mich an meinen Knochen fest, um mich nicht völlig zu verlieren
Wer sind die, die mir alles nahmen...und denen ich noch mehr nahm...
Die Kugel steht mir gut, die Krone des Solarplexus
Streue Salz darauf, ich mochte es schon immer, alles bis zum Äußersten auszukosten
Mein Blick vernebelt die Welt...oder ist es der Sand in meinen Augen, der mich zum Weinen bringt...
Ich jedenfalls werde mich schlafend stellen und keiner kann mich wecken
Du verstehst mein Lachen nicht, aber es ist egal, du hast es nie verstanden...und ich scheiß drauf
Gute Nacht wunderschönes Strahlen, ich werde deine sanften Peitschenhiebe in Erinnerung behalten wenn ich mich zu dir lege


 

© Text by Miss Caligari (Text: ´09)





 >>>...


Und wieder hast du nichts von dem gehört, was ich gesagt habe..
hast meine sich bewegenden Lippen gesehen und das hat dir gereicht…alles andere hätte mich auch sehr gewundert..

“Fick dich” habe ich gesagt,
“Eigentlich liebe ich dich” ist in deinem Hirn angekommen…warum also nachdenken über die ganze Scheiße!?


Die Zigarette in meiner Hand wird kleiner, das Bier in der anderen leert sich…der Ascheberg vor den Füßen wächst…


Ich ertränke mich lieber in Freude als in den Tränen der letzten Jahre…
und ich setze die Zufriedenheit an meine Lippen und nehme einen großen Schluck, nehme den letzten Zug der Zigarette voller Schall und Rauch und werfe den abgebrannten Rest ein für alle Mal hinter mich….
noch einmal durchatmen und weitergehen…eine Ära zuende….Tür zu…






© by Miss Caligari (Januar ´10)












Once I had a dream... [Kurzgeschichte]


Es war ein kühler, in sepiatönen gefärbter Tag. Ich weiß nicht wohin ich gehen wollte und wer die anderen Menschen waren. Ich war einfach da. Wir schienen uns zu kennen, denn wir erzählten angeregt über dies und das - bis plötzlich einer dieser Menschen zu schreien begann. Um mich wurde alles braun und grau und verschwamm. Ich sah uns von außen. Wir wurden weggebracht. In das Tal zu unseren Füßen. Ein schlammiger Weg wandt sich zu der Baracken-Anlage hinab.




Das nächste woran ich mich erinnern kann, ist mein Erwachen in einem einfachen Metallbett. Rings um mich herum stehen weitere Betten. Ich zähle sie nicht, doch sind es schätzungsweise mindestens zehn. Neben jedem Bett steht ein klappriger Metallstuhl über dessen Lehne sich ein graubrauner Parka befindet. Es ist nicht mein Parka, doch als ich an mir herunterschaue sehe ich, dass ich keine meiner mir bekannten Kleidungsstücke trage. Und alles was sich an meinem Körper befindet geht eine Symbiose mit der Stimmung, dem Schlamm und dem grau der Baracken ein. Hier haben die uns also hingebracht, denke ich. Sie haben uns entkleidet und geduscht, denn meine Haare sind noch ein wenig nass und ungewöhnlich sauber wenn man bedenkt, dass ich vor einiger Zeit mit dem Kopf im Schlamm aufschlug. Wann eigentlich? Wie lange bin ich hier? Es müssen Stunden sein, denn draußen dämmert es. Ich habe keinerlei Zeitwahrnehmung. So scheint es auch den anderen meiner Mitbewohner zu ergehen, die langsam aus ihrem Dämmerzustand erwachen.




Es ist laut und ich höre Rufe und stampfen. Ich erwache. Einige meiner Mitbewohner sind schon angezogen. Sie tragen Flecktarn-Uniformen.
Der große schwarze Mann rüttelt mich wach und sagt, ich solle mich schnell anziehen, ich sei fast schon zu spät dran. Er küsst meine Stirn. Ich habe ihn auch schon einmal geküsst. Ich spüre, dass ich ihm vertraue. Ich springe aus dem Bett und bekleide mich mit einer ebensolchen Uniform, die über meinem Stuhl hängt. Daneben steht ein olivfarbener Militärrucksack. Er ist winzig und man sagt mir, ich solle meine Sachen dort hineinpacken. Dann verlassen wir die Hütte. Wir marschieren vorbei an schwerbewaffneten Soldaten. Ich scheine diesen Anblick zu kennen, denn ich beachte dieses Aufgebot nicht weiter.

Ich habe wenige Erinnerungen. Eine militärische Ausbildung. Die Männer genossen eine strenge Erziehung an der Waffe, während die Frauen nur das notwendigste lernten. Fortan waren wir verpflichtet, der Lager-Obrigkeit zu Diensten zu sein. Ich kann mich nur noch an den Ekel erinnern und den Schmerz, den der Mann der mich liebt erleiden musste wenn er mich im großen Haupthaus verschwinden sah.


Er küsst mich wieder. Ich spüre, dass ich ihn liebe, doch kenne seinen Namen nicht. Sein rot-blau gestreiftes T-Shirt erinnert mich an früher -  wann auch immer das war.


Wir versuchten oft von dort zu fliehen. Doch so sehr wir auch Pläne schmiedeten, es blieb alles erfolglos. Sie schossen auf uns, aber töteten uns nicht. Es waren kleine Kugeln die, sobald sie den Lauf der waffe verließen, in viele kleine scharfe schwarze Teile zerborsten und uns kleine schmerzhafte Löcher in den Körper schlugen.
Waren wir so wertvoll, dass uns nichts geschehen sollte?


Einmal war ein Fest. Es schien zumindest eins zu sein, denn die Obersten Offiziere trugen ihre feinsten Ausgeh-Uniformen. wir saßen an einer äußerst langen Tafel. Keiner sagte ein wort. In einem Nebenraum, auf dem weg zu den Toiletten stand ein Tisch. Auf ihm befand sich ein Bowle-Gefäß mit wunderbar fruchtig-alkoholischem Inhalt. Daneben stand ein Becher mit kleinen gläsernen Bowle-Spießern. Ich steckte schnell eine Handvoll in die Taschen meines Kapuzenpullis.
Ich wusste nicht genau wofür ich sie verwenden wollte.
Später beschlossen wir, einen erneuten Ausbruchsversuch zu wagen. Die zerbrochenen Bowlespießer als Waffen zu verweden. Das Aufsichtspersonal damit bei einer Inspektion zu attakieren. 
Oder um uns zu retten, wenn hier alles nicht mehr auszuhalten ist. Kollektiver Suizid als letzter Fluchtversuch.

Mein Freund macht Kerben in die Wand links der Tür. Eine für jeden Tag. Es sind zu viele um sie zu zählen. Manchmal feiern wir, ganz leise für uns und tätowieren mit dreckigen Utensilien die Jahreszahlen in unsere Unterarme. 2005 2006 2007 2008 2009 2010...


Ich spüre fast nichts mehr. Keine Zeit, keinen Raum. Die Umgebung verschwimmt vor meinen Augen. Das einzige was ich spüre, ist die Liebe zu diesem, mir fremden, großen Mann, der mich Liebste nennt und mich küsst.






© Text by Miss Caligari (´11)


[hierbei handelt es sich um die Wiedergabe eines Traumes, den ich Anfang der Woche hatte, in Kurzgeschichtenform....manche Träume sind zu krass und zu real und detailreich, dass man unmöglich einfach damit klarkommen kann...er beschäftigt mich sehr....] 





Vom Fallen




Ich will auf den Arm

und über Pfützen getragen werden, die wie Meere scheinen

und über Steine, die sich mir wie Felsen in den Weg legen

und ich will festgehalten werden,

wenn ich meinen Kopf zu neugierig in den Kaninchenbau stecke und zu fallen drohe

und wenn ich am Straßenrand stehe, rot nicht von grün unterscheiden kann und einfach gehen will

und ich will hochgehoben werden, wenn ich mich nicht nach dem strecken kann, was ich erlangen will

und wenn ich das Gefühl habe, zu klein und zu bedeutungsarm zu sein

und wenn ich nach der Taschenlampe greife, um heimlich unter der Bettdecke zu lesen

 
ich will, dass man mir Hände über die Augen legt, damit ich manche Dinge nich sehen muss


 
und ich will berührt werden, so tief wie möglich

und stolz will ich Pflaster auf meinen Wunden tragen, 
weil sie vom Leben erzählen

vom Leben mit Dir und allen Pfützen und Steinen und davon, dass du mich nicht immer halten konntest, weil du dasselbe ängstliche Kind warst wie ich


© Text by Miss Caligari (´11)






 


Nur noch einmal schlafen [Kurzgeschichte]


Während ich schreibe, laufen meine Gedanken durch orangenes Laub. Das rascheln wird mit zunehmender Dunkelheit lauter.
Ich setze die Flasche erneut an. Weil ich weiß, wie gern ich wirklich in einem Wald wäre und nur zu gemütlich bin jetzt aufzustehen. Sich anziehen verlangt gerade zu viel Kraft. Die Schwere des Mantels würde mich zu Boden reißen, ich merke es ja wie meine Knie zittern.
Irgendwo höre ich ein Tropfen. Beständig hämmernd und ich hoffe nach jedem frischen Tropfen, es möge der letzte sein. Sonst müsste ich mich erheben um den Hahn richtig zu schließen. Aber das schaffe ich jetzt nicht und so lasse ich das Tropfen sich in die Umgebung einfügen als wäre es das Singen eines Vogels, das man einfach und natürlich akzeptiert.
Ich habe seit 2 Tagen nichts gegessen. Ich ernähre mich von dem, was mit bloßem Ausstrecken des Armes erreichbar ist. Leider ist das seit 2 Tagen nur Wein. Das Weinregal steht nunmal viel zu nah. Pech gehabt. Ja wenn ich sage, ich ernähre mich flüssig, dann wirft dies die Frage auf, wie ich den Scheiß wieder loswerde. Auf die Toilette schleppe ich mich natürlich. Aber ich warte damit bis zu dem Zeitpunkt, an dem es auch einfach nicht mehr anders möglich ist. Ich krieche mehr oder weniger.
Nein, ich krieche nicht! Verdammter Wein. Ich stelle mir nur vor, wie es aussähe zu kriechen. Aber dafür bin ich einfach nicht kaputt oder betrunken genug.
Ich stelle mir auch vor, dass der Wein eine tiefrote Farbe hat. Das hat Rotwein meist aber ich sehe es nicht, weil das grün der Flasche das rot verschlingt. Aber in meinem Kopf ist der Wein wunderschön rot und  fügt sich wie ein kleiner wirbeliger Wind, der Blätter mit sich nimmt, in meine Waldlandschaft ein. Die Welt in meinem Kopf ist etwas Sepia, wie man es von alten Bildern kennt. Nur Rottöne kann man gut differenzieren. Die sind zu schön um sie so braun zu verfälschen.Warum Sepia, wurde icht oft gefragt. Sepia sieht doch noch mehr aus wie Matsch und Dreck, als eine natürliche Färbung.
Meine Welt IST Sepia, du blöde Kuh, hätte ich oft gern erwidert. Sie sieht nicht nur so aus. Die Menschen sind Sepia und der Himmel ebenso. Keiner hinterfragt das, denn es ist normal. Und man freut sich über jedes Sepia-farbene Lächeln, jedes freundliche Sepia-Hallo und jede Pfütze, die exakt dieselbe Färbung hat wie Vanillepudding.
Eine Fliege setzt sich auf meine Hand, weil ich mich, wie erstarrt, meinen  Träumereien hingab. Ich stelle mir vor, ich wäre ein Frosch und würde meine Zunge ausrollen, um die Fliege als Mahl zu mir zu nehmen. Ich strecke, in einem dunklen Augenblick, kurz meine Zunge nach ihr aus, aber sie ist zu kurz, was ich auch ohne diesen Versuch gewusst hätte. Lieber noch ein Schluck Wein, dann finde ich mich selbst nicht mehr so seltsam und peinlich.
Wenn in meinem Kopf Herbst ist, dann freue ich mich immer auf den Frühling oder den Sommer. Aber sie kommen nie. Und dann trinke ich wieder Wein.
Vielleicht sind auch meine Vorstellungen von Frühling und Sommer völlig falsch. Vielleicht sehe ich sie nicht. Es liegt wieder mal am Sepia. Das vermute ich.
Ich bin müde. Seit Wochen hat sich kein Mensch bei mir gemeldet und mich gefragt wie es mir geht. Und wenn sich jemand melden wollte, ich hätte ihm weder die Tür öffnen können, noch das Telefon gefunden. Aber das sind nur Ausreden. Denn es hat ja nicht einmal geklingelt.
Ich trinke Wein und ich weine. Vermutlich gehört es sogar zusammen, warum sonst würde "Wein" im "Weinen" stecken. Und im Wein steckt ja auch die Wahrheit und da die Wahrheit meistens schmerzlich ist, muss man weinen.
Ich gestehe mir die Wahrheit also ein,wenn wir einmal dabei sind. Ich bin allein ! Und wenn sich ein Mensch die Mühe macht, mir zuzuhören, dann hält er das nicht lange aus, dafür sorge ich leider. Ich nenne es Schutz, die anderen nennen es Scheiße. Ich ertrink in meiner Sepie-Scheiße. Aber die Weinflasche halte ich hoch, denn das Rot ist mir heilig. Heiliger als mein eigenes Rot! 



 

Kommentare:

  1. "Vom Fallen"... wunderschön geschrieben!
    gruß julie

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  2. riesiges lob ans gedankenkarussell!!! mag, wie es sich dreht in schnelle und ausdruck.

    grüße
    die erstplatzierte

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